Was tun, wenn ein Mensch vor einer Entscheidung steht, bei der es keine perfekte Lösung gibt? Wenn eine Erkrankung das bisherige Leben verändert? Oder wenn ein lange gehegter Lebensentwurf plötzlich nicht mehr möglich ist?
Genau hier setzt Lebens- und Sozialberatung an: Menschen in herausfordernden Lebenssituationen professionell zu begleiten, Orientierung zu geben und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln.
An der EALU – Europäische Akademie für Frankls Lehre – universeller Sinn lernen angehende Lebens- und Sozialberater:innen, Menschen nicht auf ihre Probleme oder Defizite zu reduzieren. Im Zentrum steht vielmehr die Frage: Was kann trotz allem sinnvoll und wertvoll sein?
Die folgenden beispielhaften Beratungssituationen zeigen, wie unterschiedlich die Themen in der späteren Beratungspraxis sein können – und wie die Logotherapie dabei eine besondere Perspektive eröffnet.
Herr M., 46 Jahre alt und in einer leitenden Position tätig, hat lange das Gefühl, vor allem für andere funktionieren zu müssen. Familie, Beruf, Verpflichtungen – irgendwann wächst in ihm der Wunsch: „Ich möchte endlich mein eigenes Leben leben.“
Er beginnt eine Affäre. Was sich zunächst wie ein Ausbruch aus seinem bisherigen Leben anfühlt, führt zu einem massiven Konflikt mit seiner Familie.
In der Beratung geht es nicht darum, Herrn M. eine Entscheidung abzunehmen oder ihm vorzuschreiben, was „richtig“ und „falsch“ ist. Vielmehr stellt sich die Frage: Was bedeutet Freiheit wirklich?
Aus logotherapeutischer Perspektive ist der Wunsch nach Selbstbestimmung legitim. Menschliche Freiheit bedeutet jedoch nicht, tun zu können, was immer man möchte. Sie ist immer mit Verantwortung verbunden.
Wer sich entscheidet, übernimmt auch Verantwortung für die Folgen dieser Entscheidung.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Integration von Schuld. Schuld wird dabei nicht als moralische Verurteilung verstanden, sondern als existenzielle Realität: Menschen können anderen durch ihre Entscheidungen Leid zufügen. Diese Tatsache lässt sich nicht einfach wegargumentieren oder auf andere übertragen.
Herr M. beginnt zu erkennen:
„Ich kann nicht verhindern, dass meine Entscheidung Konsequenzen hat. Aber ich kann entscheiden, wie ich mit meiner Verantwortung dafür umgehe.“
Die Beratung unterstützt ihn dabei, seine Situation ehrlich anzuschauen und eine Entscheidung zu treffen, die nicht bloß eine Flucht aus seinem bisherigen Leben darstellt.
Beratung bedeutet nicht, für andere Menschen Entscheidungen zu treffen. Sie bedeutet, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen ihre Situation klarer sehen, eigene Werte erkennen und Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen können.
Frau S., 49 Jahre alt, war immer aktiv. Sport, Beruf, Leistungsfähigkeit – vieles in ihrem Leben war davon geprägt, etwas zu schaffen und zu bewirken.
Dann wird sie chronisch krank.
Plötzlich kann sie vieles nicht mehr so tun wie früher. Sport ist kaum noch möglich, berufliche Leistungen sind eingeschränkt. Aus dem Gefühl „Ich kann viel“ wird zunehmend das Gefühl: „Ich bin eine Belastung.“
Eine solche Veränderung kann nicht nur körperlich, sondern auch existenziell erschüttern. Denn wenn der eigene Wert bisher stark an Leistung gekoppelt war, stellt sich unweigerlich die Frage:
Wer bin ich, wenn ich nicht mehr leisten kann?
Hier eröffnet die Logotherapie eine wichtige Perspektive. Frankl unterscheidet unter anderem zwischen schöpferischen Werten, Erlebniswerten und Einstellungswerten.
Wir können Sinn verwirklichen, indem wir etwas schaffen oder leisten. Wir können Sinn erfahren, indem wir etwas oder jemanden erleben – etwa Natur, Beziehungen, Kunst oder Liebe. Und es gibt Situationen, in denen beides nur noch eingeschränkt möglich ist.
Dann bleibt uns immer noch unsere Einstellung zu dem, was uns widerfährt.
Das bedeutet nicht, Leiden schönzureden oder Krankheit als „sinnvoll“ erklären zu müssen. Unvermeidbares Leid bleibt Leid. Aber der Mensch kann entscheiden, welche Haltung er dazu einnimmt und welche Antwort er darauf gibt.
Hier zeigt sich die von Frankl beschriebene Trotzmacht des Geistes: die Fähigkeit des Menschen, sich nicht vollständig von seinen Bedingungen bestimmen zu lassen.
Frau S. beginnt, ihren Wert nicht mehr ausschließlich über ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu definieren. Sie entdeckt kleine Gestaltungsspielräume in ihrem Alltag, neue Formen von Beziehung und Tätigkeiten, die ihren aktuellen Möglichkeiten entsprechen.
Sinn ist nicht an Leistung gekoppelt.
Gerade in schwierigen Lebenssituationen kann Beratung dabei helfen, den Blick wieder auf das zu richten, was trotz aller Einschränkungen möglich bleibt.
Lebens- und Sozialberatung kann Menschen dabei unterstützen, mit Veränderung, Krisen und schwierigen Lebenssituationen umzugehen – ohne ihnen ihre Verantwortung abzunehmen. Die logotherapeutische Perspektive hilft dabei, auch dort nach persönlichen Gestaltungsmöglichkeiten und Sinnperspektiven zu suchen, wo das Leben Grenzen setzt.
Frau K., 43 Jahre alt, hatte über viele Jahre eine klare Vorstellung von ihrem Leben: Partnerschaft, Familie, Kinder.
Doch dieser Lebensentwurf erfüllt sich nicht. Ihr Partner teilt ihren Wunsch nach einer Familie nicht mehr. Für Frau K. fühlt es sich an, als würde damit nicht nur ein Wunsch, sondern ihr gesamtes Zukunftsbild zerbrechen.
Sie sagt:
„Ohne Kinder hat mein Leben keinen Sinn mehr.“
In der Beratung ist es zunächst wichtig, diesen Schmerz ernst zu nehmen. Es geht nicht darum, schnell nach positiven Seiten zu suchen oder Frau K. davon zu überzeugen, dass „alles seinen Sinn hat“.
Der Verlust eines erhofften Lebensentwurfs darf betrauert werden.
Gleichzeitig ist es entscheidend, zwischen dem Verlust eines bestimmten Lebensplans und dem Verlust des Lebenssinns zu unterscheiden.
Der Sinn des Lebens ist nicht an eine einzige Form gebunden. Nicht an Elternschaft, Karriere, Partnerschaft oder einen bestimmten gesellschaftlichen Lebensentwurf.
Die Logotherapie spricht von einer Sinnoffenheit des Lebens. Das Leben kann uns immer wieder vor neue Situationen stellen, in denen wir gefragt sind, welche Möglichkeit des Sinns sich jetzt zeigt.
Für Frau K. bedeutet das nicht, ihren ursprünglichen Kinderwunsch einfach „loszulassen“ oder den Schmerz zu verdrängen. Vielmehr geht es darum, Abschied zu nehmen, zu trauern und gleichzeitig wieder offen für das zu werden, was das Leben ihr jetzt anbietet.
Neue Beziehungen, Aufgaben, Begegnungen oder Formen des Engagements können Bedeutung gewinnen.
Der Sinn muss dabei nicht künstlich „erfunden“ werden. Er kann vielmehr in der konkreten Situation entdeckt werden.
Beratung kann Menschen begleiten, wenn vertraute Lebensentwürfe ins Wanken geraten. Sie hilft dabei, zwischen dem, was verloren gegangen ist, und dem, was weiterhin möglich ist, zu unterscheiden – und wieder einen offenen Blick auf die eigene Zukunft zu entwickeln.
Diese drei Fälle könnten unterschiedlicher kaum sein: eine Beziehungskrise, eine chronische Erkrankung und ein zerbrochener Lebensentwurf.
Und doch verbindet sie eine zentrale Frage:
Wie kann ein Mensch angesichts seiner konkreten Lebenssituation eine sinnvolle Antwort finden?
Genau diese Frage steht im Zentrum der Logotherapie und eröffnet einen besonderen Zugang zur Lebens- und Sozialberatung.
Dabei geht es nicht darum, Menschen fertige Antworten zu geben. Vielmehr lernen angehende Berater:innen, Menschen professionell dabei zu begleiten,
Die Beispiele zeigen auch: Lebens- und Sozialberatung ist kein Beruf, der sich auf ein einziges Themenfeld beschränkt.
Menschen kommen mit Fragen zu Beziehungen, Familie, Beruf, Veränderung, Entscheidungsprozessen, Krisen, persönlichen Lebensentwürfen oder dem Gefühl, die eigene Orientierung verloren zu haben.
Jede Beratungssituation ist anders. Und gerade deshalb braucht es mehr als Methoden: Es braucht ein fundiertes Verständnis vom Menschen, von Freiheit und Verantwortung – und von der Möglichkeit, auch in schwierigen Situationen Sinn zu entdecken.
Die Ausbildung an der EALU – Europäische Akademie für Frankls Lehre – universeller Sinn verbindet die Qualifikation zur Lebens- und Sozialberatung mit der Auseinandersetzung mit der Logotherapie und dem Menschenbild Viktor Frankls.
Über 6 Semester erwerben Teilnehmer:innen fundiertes Wissen und entwickeln jene Kompetenzen, die sie für die professionelle Begleitung von Menschen brauchen – berufsbegleitend und mit engem Bezug zur Praxis.
Denn hinter jeder Beratung steht ein Mensch mit seiner ganz eigenen Geschichte.
Und manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo wir gemeinsam die Frage stellen:
„Was kann das Leben jetzt von mir wollen?“
| Fortbildungsdauer | 6 Semester berufsbegleitend Zeitstunden 4500 – ECTS 180 |
| Termin | 04.10.2026, Wien/Linz (Anmeldefrist 22.09.2026) 11.10.2026, Anmeldung über BFI Klagenfurt, Klagenfurt (Anmeldefrist 22.09.2026) 11.10.2026, Graz (Anmeldefrist 22.09.2026) 18.10.2026, Anmeldung über BFI Tirol, Innsbruck (Anmeldefrist 28.09.2026) |
| Kosten | Je Semester 2.299,00 €* (gesamt 6 Semester) *Einführungspreis 2026 NICHT enthalten: 37,5 h Einzelselbsterfahrung, Einzelsupervision & Gruppensupervision, Kosten für Übernachtungen und Verpflegung, Literatur |
| Vortragende | Christina Binder, BSc, MSc Petra Deli-Kolros, MSc Susanne Dissauer, MSc Mag. Arthur Domig, Dr. (DMin) MMag. Peter Felbermaier, MSc Andrea Glehr-Schmit, MSc Gabriele Huß Dr. Klaus Gstirner Mag. David Löscher, MA Mag.a Dagmar Edith Mehsner, MSc Ing. Verena Neuhold MEd Eva Maria Ostermann, MSc Dr. Heidi Vonwald DDDr Sabine Wöger, MMMSc MEd |
| Infoabende | Do, 17.09.2026 – 19:00 Uhr Hier geht’s zur Aufzeichnung des letzten Infoabends: Aufzeichung des Infoabends vom 15.06.2026. |
| Geplante Orte | Österreich Süd: Graz/Klagenfurt Österreich West: Innsbruck/Vorarlberg Österreich Nord: Wien/Linz |
| Unterricht | Je nach Modul gibt es analoge und digitale Präsenzzeitstunden |
| Freies Wahlmodul | • Modul X c2) Paar- und Sexualberatung, Kommunikation und Konfliktberatung, Inklusion Diversität und Gender • Modul X c3) Trauer- und Verlustarbeit, Kommunikation und Konfliktberatung, Inklusion Diversität und Gender • Modul X c5) Aufstellungsarbeit, Inklusion Diversität und Gender |
| Schwerpunkt / Wahlmodul je Standort | Wien/Linz und Graz: Modulbündel c2) Paar- und Sexualberatung, Kommunikation und Konfliktberatung, Inklusion Diversität und Gender Innsbruck und Klagenfurt: Modulbündel c5) Aufstellungsarbeit, Inklusion Diversität und Gender |
| Teilnehmer*innenzahl | Mindestens 14 / Maximal 23 |